»Zero waste« ist zum bekannten Schlagwort geworden, manch eine/-r verwendet beträchtliche Zeit und Energie auf die Vermeidung von Müll: Die Spannbreite der Maßnahmen reicht vom Verzicht auf Plastiktüten im Supermarkt bis zum selbstgemachten Shampoo im Weckglas.

Mein Respekt geht an alle, die daraus eine eigene Mission machen können und so nachhaltiger leben. Für die meisten wird nicht alles im Alltag umsetzbar sein, so auch für uns. Denn ganz abgesehen davon, dass »die reine Lehre« bisweilen überproportional teuer ist (vierfacher Preis bei unverpackten Drogerie-Artikeln), muss auch der zeitliche Aufwand ein familien- und alltagspraktisch mit Berufstätigkeit vereinbares Maß behalten.

Erste Schritte waren für uns einfach: Beim Einkauf keine Plastiktüten mehr annehmen, dann kam mehr in den Blick, dass Einmal-Papiertüten auch keine Lösung sind und Baumwoll-Beutel in großer Zahl ebenfalls ein Problem (schnelle Tipps zur Beutel-Frage). Also: Immer einen Rucksack oder eine Tasche dabei haben – tatsächlich vielleicht eine der Sachen, die Radfahrern leichter gelingt als anderen.

Take-away: Essen zum Mitnehmen ist meistens bequem, oft auch lecker und leider häufig katastrophal verpackt. Paradebeispiel ist vielleicht Salat – Plastikschale mit Deckel, Dressig im Aufreiß-Tütchen, Plastik-Besteck gleich mit eingepackt, alles in der Tüte zum Wegtragen … Wir haben nie viel Take-away gegessen, es ist noch viel weniger geworden, manchmal setzt sich dennoch Schmacht bei Unterwegs-Gelegenheiten durch (zweimal im Jahr?). Ich habe jedes Mal ein schlechtes Gewissen.

Coffee to go: Eine echte Herausforderung, der Kaffee zwischendurch und überall fühlt sich meist einfach richtig gut und genussvoll an – oder müdigkeitsbedingt richtig dringend. Eine gute Freundin hat uns glücklicherweise To-go-Becher aus Bambus geschenkt. Jetzt brauchen wir nur noch mehr Routine, sie auch immer bei uns zu haben.

Lebensmitteleinkauf: So ein gelber Sack wird ganz schön schnell voll – vor allem wenn man den Verlockungen des Supermarkts unkritisch erlegen ist. Wurst, Käse, Brot; alles in Tüten verpackt beziehungsweise in Plastik vakuumverpackt. Dazu noch sogenannte Convenience-Artikel (ich mag Gnocchi, zugegeben) und natürlich all die Getränkekartons, da kommt einiges zusammen.
Nicht alles lässt sich meines Erachtens für uns sinnvoll vermeiden, wir werden etwa wohl kaum mehrmals pro Woche Nudelteig selbstmachen. Tatsächlich haben wir auch die Variante »unverpackt« noch nicht ausprobiert. Aber erstaunlich ist es schon, wieviel weniger Müll wir haben, seitdem wir bewusst darauf achten, wie Dinge verpackt sind, und Beutel für lose angebotenes Obst und Gemüse in der Tasche haben. Außerdem kommt unser Brot jetzt meist vom Bäcker (im Baumwollbeutel, spart die Papiertüte) oder aus dem heimischen Brotbackautomaten.
Ein Supermarkt im Ort hat etwas Cleveres begonnen: Er bietet Aufbewahrungsboxen an, die – einmal gekauft – immer wieder gegen frisch gereinigte getauscht werden können, um Wurst und Käse darin verpackt zu bekommen.

Nächste Schritte: Bisher noch reine Gedankenspiele sind die Bio-Obst-und-Gemüsekiste und das Milch-Abo im Pfandbehälter vom Bauernhof in der Nähe (inklusive Joghurt, Käse und regionalen Säften in der Pfandflasche). Ich glaube, dann bleibt unser gelber Sack zur vierzehntäglichen Abholung halb leer.

Warum ist nun »weniger nicht immer weniger«, wie im Titel behauptet? Weil unser Kühlschrank zwar oft recht »übersichtlich« befüllt ist, wir aber überhaupt nicht den Eindruck haben, auf etwas zu verzichten. Dazu zerstreuen sich die Bedenken, dass bio einkaufen eine Frage des Geldbeutels ist: Auch wenn einzelne Artikel im direkten Vergleich mehr kosten, geben wir insgesamt weniger Geld für Lebensmittel aus als vorher. Wir brauchen also offensichtlich weniger, haben auch deutlich weniger Müll, statt Verzicht und Mangel haben wir aber mehr – mehr gutes Essen, Genuss und Gewissen.

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