Wer kennt es nicht: Im Lauf der Zeit sind immer mal wieder Dinge über. Mode, Geschmack und bisweilen auch die Figur ändern sich, weshalb Kleidungsstücke ungetragen ihr Dasein im Schrank fristen. Kinder wachsen, wodurch in kurzen Abständen Schuhe, Jacken, Hosen abgelegt sind.

Manch einer hat sich angewöhnt, regelmäßig Inventur der nicht nur sieben Sachen zu veranstalten – sagt der Volksmund doch, man solle aussortieren, was man ein Jahr nicht getragen oder be-/genutzt habe. Je nach Subjekt und Objekt der Bestandsaufnahme, fällt die Abwägung vielleicht anders aus: Bleibt der mehrere Jahre nicht getragene Anzug für die nächste Beerdigung oder Hochzeit hängen? Bei mir lautet die zögernde Antwort im Moment noch »ja«, auch wenn ich bei der einen oder anderen Hose für zukünftigen Einsatz erst Umfang am Dachs-Bauch lassen müsste.

Leichter fällt mir die Antwort bei der zugleich drängenderen Frage nach dem Bleiberecht im Bücherregal: Der Zuwachs ist stetig, denkt sich unser Umfeld doch, »ein gutes Buch ist immer gut, der Trend geht ohnehin zum Zweitbuch«, und beschenkt uns – wie wir uns gegenseitig – mit Belletristik. Nicht immer ist dann drin, was man sich erhofft, oder erstreckt sich die freundschaftliche Nähe auch auf den poetischen Geschmack. Dann soll das Buch nach einmaligem Lesen Platz machen und das Haus verlassen.

Ich kann gar nicht sagen, wieviel Lebenszeit ich schon mit der Vor- und Nachbereitung von Ebay-Auktionen verbracht habe – in Hinsicht auf die finanziellen Erlöse definitiv zu viel, das ist mir schon lange klar. Deshalb habe ich mir angewöhnt, meine Aktivität »in der Bucht« (oje, ein Ausdruck, der wohl vor zig Jahren aktuell war) als Umwelt-Engagement zu betrachten: Wer meine Sachen ersteigert, kauft vielleicht weniger Neues, der Konsumismus dreht sich ein winziges Bisschen langsamer … Und ich habe weniger Müll verantwortet.

Zuletzt ging diese Rechtfertigung sehr weit: Wenn ich mich mal wieder bei der Porto-Kalkulation vertan hatte und deshalb das »Geschäft« unter Berücksichtigung des Ein-Euro-Auktionspreises plus/minus null ausging, dachte ich mir beim Packen der Umschläge und Pakete: Immerhin ist es aus dem Haus. Hoffentlich freut sich die Empfängerin.

Dennoch fanden immer mehr Auktionen keine Gebote. Meine Schlussfolgerung: Ebays beste Zeiten für Verkäufer gebrauchter Sachen ist vorbei.

Deshalb: Verschenken ist mein neues Verkaufen.

Glücklicherweise gibt es Plattformen und Institutionen, die die Möglichkeit bieten, noch nutzbare Gegenstände zu spenden, zu verschenken oder zu tauschen – ohne das jeweilige System dazu wie im Falle Ebay klammheimlich travestieren zu müssen. In Kiel und umzu bin ich bisher auf folgende gestoßen (Anregungen willkommen):

Obolus. Der Sozialladen am Sophienblatt nimmt nach meiner Erfahrung beinahe alles – Kleidung, Spiel- und Haushaltswaren, Bücher u.v.m. Die Bedienung ist freundlich, die Spenden-Annahme ist gut organisiert und geht deshalb zügig vonstatten – nicht unwichtig, wenn ich mal wieder »eben schnell« mittags auf dem Weg von A nach B etwas abgeben will.

Echt.Gut. Das Kaufhaus. Jetzt nicht mehr Sozial-, sondern Nachhaltigkeitskaufhaus für alle. Prima dekoriert, zum Möbel-Schnüstern ne Wucht. Nette Leute dort, Spenden abgegeben habe ich aber noch nicht.

Lesart. Das Antiquariat der Brücke SH. Bücher gingen zuletzt bei Ebay kaum noch, hier habe ich alle abgeben können. Das war schwer … zu transportieren, mehrere Radrucksäcke voll. Das war leicht abgegeben. Und nun ist unser Haus wieder ein Stück leichter.

ABK Tauschbörse. Ich habe etwas den Eindruck, diese Plattform hätte schon bessere Tage gesehen – etwa mit vielen Inseraten à la »Regal zu verschenken. Wünsche mir zwei Tafeln Traube-Nuss (bio & fairtrade, bitte!)«.

»Die Geschenke-Treppe«. Ein sympathisches altes Haus, indem mir freundschaftlich verbundene Menschen in einer WG leben, hat diese magische Einrichtung. Nicht nur die Kinder stehen oft staunend davor.

Fair-Schenk-Schrank Hassee. Eine private Initiative im Kieler Süden. Ich hoffe, der Schrank hält sich lang und macht seinen Besitzern und Nutzern Freude.

Naturgeschenke-Stand. Ebenfalls in Hassee steht der Holzstand von Christian-Kuhtz-Kunow, dem kreativen Tüftler von »Einfälle statt Abfälle«. Gegenüber von Haus Nr. 23 in der Kieler Hagebuttenstraße können Lebensmittel getauscht werden, etwa wenn jemand mehr Äpfel erntet, als er oder sie verabeiten kann.

Und bestimmt gibt es noch ganz viel, das ich nicht einmal vom Hörensagen kenne. Das »Glückslokal« etwa will ich bald ausprobieren. Nicht vergessen: »Der Plunder des einen ist für den anderen ein Schatz« (Pettersson und Findus).

Bild von memyselfaneye auf Pixabay

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2 Kommentare

  1. Lieber Herr Sellhoff,
    tatsächlich würde ich Ihre Vorschläge gerne noch ergänzen. Bei uns in Flintbek werden regelmäßig Bücherflohmärkte von der Gemeindebücherei veranstaltet. Man gibt seine Bücher einfach während der Öffnungszeiten in der Bücherei ab und am Flohmarkttag werden diese gegen eine Spende „verkauft“. Vom Erlös schafft die Bücherei neue Bücher, Hörbücher, CDs, DVDs etc. an. Eine tolle Sache, bei der man im Ort Gutes tun kann.
    Herzliche Grüße
    Nicole Spitau

    1. Liebe Frau Spitau!

      Dankeschön für den Hinweis – da bin ich wieder etwas schlauer,

      herzliche Grüße
      Michael Sellhoff

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