Angeblich ist die autofreie Stadt unmöglich – nicht mit unserem Arbeits-, Wirtschafts- und Konsumleben kompatibel. Dabei beruht die Angst vor apokalyptischen Zuständen durch autofreie Zonen – sterbender Einzelhandel und Ödnis im Zentrum, Chaos im Verkehr – wohl vor allem auf dem Widerspruch zu einigen unserer alltäglichsten Gewohnheiten. Das wird erkennbar, wenn wir nicht auf das große Unbekannte schauen, sondern auf vorhandene Beispiele in der realen Welt.

Das niederländische Städtchen Houten zeigt, dass eine autofreie Stadt angenommen wird, der Einzelhandel trotz aller Befürchtungen davon profitiert – und der Verkehr vor allem für diejenigen sicherer wird, die unsere Rücksichtnahme brauchen, etwa Kinder auf dem Schulweg.

Schaut die Autofahrer-Republik Deutschland weiter über den Tellerrand, gibt es tatsächlich mittlerweile große europäische Städte, die es »einfach machen« – darunter Oslo und Madrid.

»Was die können, können wir schon lange« – Export-, Maschinenbau- und Oftmals-Fußballweltmeister D ist doch so gern Vorreiter. Wie wäre es einmal mit einer landesweiten Initiative zur gesetzlichen Verankerung autofreier Innenstädte? Ich persönlich empfinde den stetig zunehmenden PkW-Verkehr als apokalyptisch, nicht die Vorstellung, in viele Bereiche der City nur mit Bus, Rad und zu Fuß zu kommen.

Dass Mobilität ohne PkW auch in Deutschland funktioniert, beweisen tagtäglich (mit Ausnahme von Borkum und Norderney) unsere niedersächsischen Nordsee-Inseln. Kürzlich war ich auf dem schönen Langeeog – entspannt angekommen mit der Fähre, von der Inselbahn ins Örtchen gebracht, dabei den Blick in die Landschaft genossen. Später bin ich durch den Ort spaziert, oft mitten auf der Straße; mit gelegentlichem Blick nach Radfahrern und Transport-E-Autos.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass irgendjemand das Shoppen eingestellt hätte, weil er oder sie nicht mit dem SUV vor dem Schaufenster parken kann. – Ich wage ein kurzes Gedankenexperiment: Tagtäglich in der City so entspannt wie im Langeoog-Urlaub, ohne Gefahr für Leib und Leben durch hektische, überforderte Autofahrer/-innen, ohne Motorenlärm, ohne Abgase und Gestank, mit all dem Platz, der nicht mehr von den immer größer werdenden Autos eingenommen wird … himmlisch, zumindest traumhaft.

Bild von KEK1972 auf Pixabay

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