Der Mensch ist ein grundlegend soziales Wesen. Das fällt uns besonders auf, seit die Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus die Routine unserer Sozialkontakte erschüttert haben. Nicht mehr eben mit Freundinnen ins Café, kein Treffen zu Konzert oder Lesung, kein Kurs im Sportverein – das fällt vielen schwer. Doch wie ernst der in sozialen Netzwerken (sic) gepostete »Lagerkoller« tatsächlich ist, bleibt meist in der Ironie-Schwebe. Wohl dem, der Freunde hat, die auf dem Ohr empfänglich sind und nachfragen.

Menschen, die Pflege und andere regelmäßige Hilfe benötigen, auch ältere Menschen nicht nur in Wohneinrichtungen sind stark von den Kontakteinschränkungen und vielfach geltenden Besuchsverboten betroffen. Ihre Einsamkeit und Angst, insbesondere wenn etwa demenzielle Erkrankungen hinzutreten, dürften kaum zu ermessen sein.

Andere aktuelle Belastungen sind vermutlich weniger offensichtlich: Für zahlreiche Menschen mit psychischen Belastungen gehört der regelmäßige Austausch mit anderen zur Tagesstruktur, zu den Bedingungen von Stabilität im Alltagsleben. Viele soziale Einrichtungen haben nun die Türen schließen müssen oder können nur einen sehr eingeschränkten Notbetrieb aufrechterhalten – gerade Beratungsangebote, offene Treffs und Cafés fallen deshalb als Möglichkeit mentaler Regulierung und Routine aus und hinterlassen für die Nutzerinnen eine empfindliche, unter Umständen lebensbedrohliche Lücke.

Auch wer wie ich eine Selbsthilfegruppe besucht, muss bis auf weiteres Mittel und Wege finden, sich die gewohnte Unterstützung anders abzuholen: Gruppentreff als Rundruf, feste Telefonverabredung mit einem Peer? Ich für meinen Teil telefoniere oft nicht gern. Andererseits kommen auch Chat und Videotelefonie nicht für jede/-n in Frage, vielleicht ist es dennoch einen Versuch wert.

Wichtig ist: Passt gut auf Euch auf! Und beim Gedanken an jemanden mal kurz den Hörer in die Hand zu nehmen oder eine Nachricht zu schreiben, ist jetzt eine noch bessere Idee als ohnehin schon. Außerdem: Sich Hilfe zu holen, ist das Gegenteil von Hilflosigkeit – Ihr solltet also unbedingt beizeiten den Telefon-Joker ziehen.

PS: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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